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Earnings Call: Q3 2021
Nov 12, 2021
Börsen Radio Network AG, Quartalsbericht.
Mein Name ist Constantin Mang. Ich bin CEO der MBB und ich freue mich auf das Gespräch zu unseren frisch veröffentlichten Q3-Zahlen heute.
Eine der zentralen Meldungen aus Ihren Q3-Zahlen heute lautet: Die Umsatzprognose wird gesenkt. Statt EUR 720 Millionen Umsatz erwarten Sie nur noch zwischen EUR 660 und EUR 680 Millionen. Die Aktie reagiert mit Minus. Als ich zuletzt geschaut hatte, waren es rund -3.5%. War auch schon etwas mehr Minus heute auch. Ganz wichtig also, das Ganze jetzt mal zu erklären und einzuordnen. Herr Mang, für Sie als industrielastiges und produzierendes Unternehmen dürfte wohl das Gleiche gelten wie für ganz viele andere Firmen in dieser Berichtsperiode. Wir haben Lieferengpässe, Logistikschwierigkeiten, zum Teil auch Materialknappheit, vor allen Dingen Chips. Wir kennen es alle, haben es aus allerlei Medien schon gehört. Ist das der ausschlaggebende Punkt?
Ja, da sprechen Sie auf jeden Fall die richtigen Themen an. Zunächst mal muss man aber auch sagen, dass wir mit dem Verlauf der ersten neun Monate dieses Jahres eigentlich sehr zufrieden sind, ja. In einem Jahr, in dem es an Herausforderungen jetzt nicht mangelte, haben wir es trotzdem geschafft, bei einem konstanten Umsatz unser EBITDA zunächst mal deutlich zu steigern. Dazu kam diese Woche jetzt mit Gottfried Puhlmann auch noch die nächste erfolgreiche Akquisition in dem Jahr und die beweist, dass wir nicht nur das M&A nicht verlernt haben, sondern dass wir mittelständischen Unternehmen eben auch ein sehr attraktives Nachfolgeangebot machen können. Also insofern überwiegt bei uns durchaus, dass wir mit dem bisherigen Verlauf des Jahres in Summe zufrieden sind. Um jetzt auf das dritte Quartal zu sprechen zu kommen, haben Sie in der Tat recht.
Wir sind in das zweite Halbjahr eigentlich mit Rekordauftragsbeständen gestartet und haben uns eigentlich gefreut, im Q3 und im Q4 ein ordentliches Wachstum hinlegen zu können, aber da haben uns die besagten Lieferengpässe an vielen Stellen eben einen Strich durch die Rechnung gemacht, so ein bisschen eingebremst. Das bedeutet aber nicht, dass größere Bremsspuren hinterlassen worden sind. Wir sind im dritten Quartal immer noch mit einer sehr schönen zweistelligen EBIT-Marge unterwegs und ich glaube, wenn sozusagen diese kleinen marktseitigen Herausforderungen nicht gewesen wären, dann wäre das sicher ein Rekordquartal geworden. Müssen wir uns wohl noch ein bisschen gedulden, vermutlich aufs nächste Jahr, bis wir dann wirklich durchstarten können.
Es heißt bei Ihnen auch, trotz durchweg hoher Nachfrage und steigender Auftragsbestände konnte die MBB-Gruppe ihr Wachstumspotenzial im dritten Quartal nicht entfalten. Da klingt ja auch das an, was Sie gerade gesagt haben, dass es normalerweise viel besser ausgesehen hätte. Da sieht man aber wieder: Was bringen total volle Auftragsbücher, wenn man die Aufträge nicht bedienen kann? Tauchen wir mal ein bisschen ein. Woran scheitert es denn gerade tatsächlich? Also können Sie nicht bauen, weil Komponenten fehlen? Oder können Sie nicht liefern, weil die Logistik nicht richtig funktioniert? Oder wo genau sind denn die Probleme?
In der Tat drückt es an mehreren Stellen bei uns in der Gruppe. Zum Glück drückt es an keiner Stelle so stark, dass wir uns Sorgen machen müssten, aber insbesondere die Lieferengpässe im Bereich der Chip- und der Automobilindustrie haben bei uns durchaus auf die Bremse gedrückt. Das betrifft beispielsweise unsere automobillastigen Unternehmen wie die Delignit, die von sehr kurzfristigen, auch Werksunterbrechungen, Betriebsunterbrechungen bei den OEM-Kunden betroffen war. Aber selbst eine DTS, die wirklich super Auftragseingänge hatte und im Bereich IT-Infrastruktur, IT-Security jede Menge spannender neuer Projekte verwirklichen könnte, hat damit zu kämpfen, die notwendige Hardware zu bekommen. Das heißt, auch da konnten zwar die softwareseitigen IT-Security-Themen natürlich bedient werden, aber immer dann, wenn beispielsweise auch eine Firewall im Spiel ist, gab es da Probleme, weil Lieferzeiten von Firewalls, die normalerweise eben ein, zwei Wochen betragen, momentan bei vier, fünf Monate liegen.
[Foreign language] das führt dann am Ende dazu, dass die Aufträge nicht in dem Tempo abgearbeitet werden können, wie das im Idealfall passieren sollte.
Ihr Umsatz nach neun Monaten liegt jetzt bei EUR 501.6 Millionen. Das ist in etwa das Vorjahresniveau. Um es genau zu nehmen, ist es sogar 1.8% weniger als 2020. Damals, das Vergleichsjahr, das war ja dieses Corona-Jahr eins, so will ich es mal sagen, mit Lockdowns, mit Stillstand, mit stillgelegter Wirtschaft in weiten Teilen. Wie kann es denn sein, dass Sie da sogar noch drunter liegen?
Na ja, Corona war ja dieses Jahr nicht ganz vorbei. Das erste Quartal haben wir durchaus mit Corona auch noch zu kämpfen gehabt oder waren zumindest in einzelnen Teilen unserer Gruppe von Corona betroffen. Im zweiten Quartal konnten wir uns eigentlich sehr gut entwickeln und jetzt im dritten Quartal kamen die Lieferengpässe dazu. Es gab jetzt bei unserer Tochter Friedrich Vorwerk noch einen zusätzlichen Umstand, nämlich eine Projektverzögerung von einem Kunden in Skandinavien, der dazu geführt hat, dass wir da nicht die Umsätze realisieren konnten, die eigentlich vorgesehen waren. Also es sind viele, sage ich mal, kleinere Punkte, warum wir jetzt hier nicht in dem Maße wachsen konnten, wie wir das gerne getan hätten. Aber keiner der Punkte macht mir jetzt wirklich ernsthaft Sorgen und ich glaube, das sind auch alles Punkte, die ziemlich temporäre Natur haben.
Sobald sich da an den unterschiedlichen Stellen die Knoten lösen, bin ich eigentlich sehr zuversichtlich, was unsere Wachstumspotenziale angeht.
Das ist, glaube ich, eine ganz wichtige Aussage, dass Sie davon ausgehen, dass es nicht ganz so lange andauern wird. Die Umsatzprognose, wie gesagt, wurde gesenkt, aber Sie sprechen jetzt von temporärer Situation. Ich habe in Ihrer Pressemeldung auch schon von Nachholeffekten gelesen. Die Autobauer beispielsweise, die ja ähnliche Probleme haben, die sprechen von einer andauernden Situation, sprechen teilweise von bis ins Jahr 2023 hinein. Davon gehen Sie also nicht aus?
Nein, also es ist ja nicht nur die Autoindustrie bei uns. Ich habe gerade das Beispiel der Chips genannt, die im IT-Bereich da etwas die Umsatzbremse eingelegt haben und ich habe auch von der Friedrich Vorwerk gesprochen. Das sind alles Themen, die, glaube ich, nicht langfristige Natur haben. Meine Hoffnung ist auch, dass die Situation in den Lieferketten sich nächstes Jahr etwas entspannen wird. Auch wenn sicher nicht in allen Bereichen das nächstes Jahr wieder komplett geheilt ist oder komplett einen Vor-Corona-Status erreicht hat, denke ich, dass wir da nächstes Jahr eine Entspannung sehen. Auf jeden Fall.
Jetzt haben wir eigentlich genügend Negativthemen besprochen. Ich würde sagen, wir wechseln mal auf die positive Seite der Meldungen. Eins hatten Sie schon genannt, nämlich Zukäufe. Gehört ja zu Ihrem Geschäft und Ihrem Geschäftsmodell. Gottfried Puhlmann ist hinzugekommen. Eine ganz aktuelle Meldung. Eine Ergänzung zur Tochter Friedrich Vorwerk, die Sie ja gerade auch schon angesprochen haben. Warum kommt diese Akquisition gerade jetzt in eine solche Situation hinein? Ist das Absicht, also vielleicht Sondersituationen für Käufe ausnutzen? Oder ist es Zufall, dass es eben jetzt gerade dann so weit war?
Na ja, dass wir Unternehmen dazukaufen, das ist kein Zufall, sondern das ist ein ganz zentraler Teil unseres Geschäftsmodells und wir schauen uns ständig interessante Unternehmen an. Wann es dann natürlich genau zu einer Vertragsunterzeichnung kommt, da mag der Zufall ein bisschen eine Rolle spielen. Mit dem Unternehmen, in diesem Fall Gottfried Puhlmann, sind wir schon eine ganze Weile in Kontakt gewesen. Ein sehr spannendes Unternehmen, sehr traditionsreich, das ideal zu Friedrich Vorwerk passt, weil es eben ein hochspezialisierter Anbieter im Bereich der Energieinfrastruktur ist, insbesondere im Bereich des Kabelbaus, aber auch der Fernwärme. Zwei wesentliche Themen, die im Zuge der Energiewende an immer stärkerer Bedeutung gewinnen.
[Foreign language] Dazu hat Gottfried Puhlmann auch noch eine sehr interessante geographische Ergänzung für Friedrich Vorwerk, da es nämlich Standorte einerseits hier in Berlin hat und andererseits in Hamburg und in Marne in Norddeutschland, wo es unserer Einschätzung nach in den nächsten Jahren eine sehr hohe Nachfrage gibt an Infrastrukturprojekten, an denen Friedrich Vorwerk jetzt mit Gottfried Puhlmann gemeinsam, glaube ich, sehr erfolgreich mitwirken kann.
Meine Frage zielte auch darauf ab, ob gerade eine gute Situation für Übernahmen ist, denn ich habe bei Ihnen den Satz gelesen, dass es heißt, insgesamt sehr gute Voraussetzungen für weitere Akquisitionen. Da habe ich mich gefragt: Was ist denn damit gemeint? Ihr voller Geldbeutel, über den in der Vergangenheit ja schon oft gesprochen wurde, oder vielleicht doch die, ja, gerade ein bisschen angeschlagene Situation oder die Fragezeichen, die es überall noch gibt, dass man eben gerade vielleicht auch das eine oder andere Schnäppchen machen kann?
Ja, ich denke, das ist die Kombination der unterschiedlichen Punkte. Die Schnäppchenjagd steht da vermutlich nicht im Vordergrund, weil die Unternehmen, nach denen wir schauen, die nämlich interessante Wachstumsperspektiven haben, die eine hohe Qualität haben, die gibt es jetzt, sagen wir mal, nicht unbedingt momentan zum Sonderpreis. Die Fälle, die jetzt, sagen wir mal, in größeren Schwierigkeiten sind, die haben oft ein fundamentales Problem, dass wir da nicht immer der richtige Partner sind, um eine Restrukturierung durchzuführen. Ich würde sagen, der Schnäppchengedanke ist es weniger. Sie sprachen unseren Geldbeutel an, der hilft. Ja. Auf der anderen Seite gibt es eine ganze andere Reihe von Gründen, warum Unternehmer gerade jetzt auch sich darüber Gedanken machen, wie sie ihr Unternehmen in die Zukunft führen. Ja, wir haben viele ältere Unternehmer in Deutschland, die Nachfolgeprobleme haben. </[Foreign language]
Gerade so eine Krise wie Corona führt diesen Unternehmern natürlich erneut vor Augen, dass das Ganze eben einerseits recht zerbrechlich ist und dass in solchen Krisen dann auch relativ viel Energie gefragt ist. Wenn man jetzt ein Unternehmen über viele Jahrzehnte aufgebaut hat, dann fragt man sich vielleicht auch an so einem Punkt gerade, ob man noch der Richtige ist für die nächste Krise, die ansteht, oder ob es jetzt nicht vielleicht auch mal Zeit ist, einen neuen Partner ins Boot zu holen. Ich glaube, da sehen viele Unternehmer die MBB als sehr interessanten und attraktiven Partner an. Das ist der Grund, warum ich glaube, dass die Rahmenbedingungen im Moment für uns sehr gut sind, was neue Akquisitionen angeht.
Daher erwarte ich auch, wenn ich auch auf unsere, sagen wir mal, Pipeline schaue, was wir uns im Moment so für Unternehmen anschauen, dass es da durchaus das eine oder andere interessante Unternehmen gibt, das Teil der MBB-Gruppe werden könnte.
Ja, und die andere gute Nachricht will ich natürlich auch noch ansprechen, nämlich den Gewinn beziehungsweise die Profitabilität. Das bereinigte EBITDA liegt mit EUR 58.6 Millionen 11% über dem Vorjahr. Die bereinigte EBITDA-Marge verbessert sich um 1.2 Prozentpunkte auf 11.6%. Ja, sinkende Umsätze, aber Sie sind profitabler geworden, haben also mehr Gewinn gemacht. Wie haben Sie das erreicht?
Na ja, ich habe eingangs ja versucht, so ein bisschen zu relativieren, dass wir mit dem Gesamtjahr sehr zufrieden sind. Das ist genau der Punkt, den Sie jetzt da ansprechen. Wir haben gerade in unserem Segment Service & Infrastructure, zu der eben einerseits die Friedrich Vorwerk als Energieinfrastrukturanbieter zählt und auf der anderen Seite die DTS als IT-Security-Spezialist, haben wir eine super Entwicklung gehabt dieses Jahr im Ganzen. Die Profitabilität in der gesamten MBB-Gruppe ist eigentlich in einer sehr erfreulichen Entwicklung. Das hätte nur jetzt im dritten Quartal alles noch einen Tick besser sein können, aber es ist ein Stück weit auch aus meiner Sicht Jammern auf einem hohen Gesamtniveau. Wir stehen, glaube ich, als Unternehmensgruppe sehr gut da.
Bei der Profitabilität haben Sie ja auch die Prognose nicht gesenkt. Auch das will ich noch dazu sagen. Noch mehr. Es heißt dazu: Angesichts der erfreulichen Profitabilität nach neun Monaten bleibt die für das Gesamtjahr prognostizierte EBITDA-Marge von 10%-12% konservativ. Da habe ich dann doch aufgehorcht oder aufgeblickt. Bedeutet das, es könnte eher sogar noch mehr werden?
Also dass es mehr wird, glaube ich aktuell ehrlich gesagt nicht. Wenn man sich jetzt anschaut, dass wir da selbst jetzt im dritten Quartal, in dem der Umsatz jetzt nicht so lief, wie wir das gerne gehabt hätten, wir von einer guten zweistelligen EBITDA-Marge sprechen, dann würde es mich wundern, wenn wir jetzt da am unteren Ende unserer Ergebnisprognosespanne rauskommen würden.
Da wünsche ich Ihnen auf jeden Fall schon mal viel Erfolg für die nächsten Wochen und Monate. Wir schauen dann natürlich wieder, wie es gelaufen ist und dann sage ich so weit, Herr Mang, vielen Dank.
Super, vielen Dank. Börsen Radio Network AG. Das Börsen Radio für Vorstände.